Allergien

Heutzutage treten auch bei unseren Tieren immer häufiger Allergien und Unverträglichkeiten auf. Das Spektrum reicht von Kontaktallergien, die eine chronische Form annehmen können, bis zu Futtermittelunverträglichkeiten.
Ein Allergiebluttest, wie ihn viele Tierärzte gleich zu Beginn der Diagnostik durchführen wollen, stellt kein Allheilmittel dar! Bevor eine zeit- und kostenintensive Allergiediagnostik durchgeführt wird, sollten zunächst wesentlich häufiger vorkommende Ursachen ausgeschlossen werden! Dazu weiter unten mehr…

Was ist überhaupt eine Allergie und wie entsteht sie?!?

Prinzipiell kann jeder Stoff in unserer Umwelt zum Auslöser einer Allergie werden. Bei den meisten Allergenen handelt es sich jedoch um Eiweißsubstanzen tierischer oder pflanzlicher Herkunft, beispielsweise von Blütenpollen, Milben oder Schimmelpilzen.

Beim ersten Allergen-Kontakt werden vom Immunsystem die sog. Spezifischen IgE-Antikörper gebildet, die speziell für ein bestimmtes Antigen zuständig sind und dieses (und kein anderes) wiedererkennen. Es tritt jedoch zunächst noch keine Reaktion ein, da das Allergen sozusagen noch vollkommen neu ist und der Körper zunächst einmal abwägt, ob der Stoff gefährlich oder harmlos ist. Diesen Vorgang nennt man “Sensibilisierung”.

Bei dem nächsten Kontakt reagiert das Immunsystem mit den bereits vorhandenen spezifischen Antikörpern (IgE), die an der Oberfläche der sog. Mastzellen der Haut angedockt sind. Antikörper und Allergen verbinden sich nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip, bilden einen Komplex und veranlassen die Mastzellen, Botenstoffe auszuschütten, die die allergische Reaktion im Körper weiterleiten.

Dabei wird vor allem Histamin an den Schleimhäuten freigesetzt, ein Botenstoff, der in der Reaktionskette der Allergien eine entscheidende Rolle spielt. Histamin ist eine biologisch sehr aktive Substanz, die überall in unserem Körper vorkommt. Die Wirkung des Histamins hat z. B. jeder schon einmal gespürt, der unfreiwillig eine Brennnessel berührt hat.
Histamin erweitert die kleinen Blutgefäße. Dadurch kommt es zu einer Rötung. Aus den Blutgefäßen tritt Flüssigkeit ins Gewebe aus und es entsteht eine Schwellung. An den sensiblen Nervenenden der Haut bewirkt das Histamin eine Reizung (Folge: u.a. Juckreiz) und an der Schleimhaut eine verstärkte Flüssigkeitsproduktion durch Anregung der Tätigkeit der Drüsen.

Wie äußert sich eine Allergie bei Tieren?!?

Bei Hunden und Katzen sind in erster Linie allergische Reaktionen der Haut zu beobachten. Oftmals tritt die Allergie schon in den ersten 3 Lebensjahren auf. Besonders häufig sind Ohren, Gesicht und Pfoten von Juckreiz und Haarausfall betroffen.

Welche Umweltallergene führen besonders häufig zu Allergien?!?

An erster Stelle stehen auch bei Tieren die Hausstaub- und Vorratsmilben, sowie Pollen der Gräser und Bäume. Hier kann man noch relativ leicht selbst eine Allergie diagnostizieren, denn juckt sich ein Hund beispielsweise nur im Frühjahr/Sommer, ist es unwahrscheinlich, dass die Verursacher Milben sind. Viel wahrscheinlicher sind hier Pollen! Juckt sich ein Hund jedoch ganzjährig und scheinbar ohne bestimmte zeitliche Intervalle, muss weitergeforscht werden.

Bevor jedoch der gesamte Fokus auf eine Umweltallergie gerichtet wird, sollten zunächst alle anderen potenziellen Ursachen ausgeschlossen werden, die da wären:

  • Hautparasiten
  • Flöhe (diese können durch ihren Speichel ebenfalls eine Allergie auslösen!)
  • Sarcoptes-Milben (Sarcoptes-Räude)
  • Demodex-Milben (Demodikose)
  • Hautinfektionen/-entzündungen (Dermatitis/Pyodermie), bedingt durch Hefepilze (Dermatomykose) oder Bakterien.

Wenn die Untersuchungen auf vorgenannte Ursachen kein Ergebnis liefern, leidet Ihr Tier sehr wahrscheinlich an einer Allergie und es kann mit der Allergiediagnostik begonnen werden.

Welche Testmöglichkeiten gibt es?!?

Generell wird bei einem Test auf Umweltallergene untersucht, gegen welche Stoffe Ihr Tier übermäßig stark reagiert. Bei einem Allergietest können bis zu 40 potenzielle Auslöser (Allergene) überprüft werden. Es gibt zwei Testmöglichkeiten, die verlässlich sind:

Hauttest/Intrakutantest (bietet sich nicht an, bei stark entzündeter Haut!)

Ähnlich wie bei uns Menschen, wird dem Tier hier (meist unter leichter Sedierung) ein kleiner Bereich der seitlichen Brustwand freigeschoren und anschließend eine geringe Menge an verschiedenen Allergenen in die Haut injiziert. Nach etwa. 15 min kann man anhand der Hautreaktion erkennen (Rötung und Schwellung), ob und wie stark das betroffene Tier auf den jeweiligen Stoff reagiert.

Bluttest (bietet sich bei Verdacht auf eine Futtermittelallergie nicht wirklich an, da das Ergebnis zu ungenau ist, siehe weiter unten unter „Futtermittel“)

Dabei wird dem Tier eine Blutprobe entnommen und im Labor auf Antikörper gegen verschiedene Allergene untersucht. Meist erhält der Patientenbesitzer bei Vorliegen des Ergebnisses einen Allergiepass für sein Tier, auf dem alle zu vermeidenden Allergene aufgelistet sind.

Was gibt es für Behandlungsmöglichkeiten?!?

Liegt das Ergebnis vor und sind die allergieauslösenden Stoffe  bekannt, so sollten diese nach Möglichkeit vermieden werden. Dies geht jedoch in vielen Fällen nicht, denn man kann sich und seinen Vierbeiner weder vor Hausstaubmilben noch vor Pollen schützen. Hier hat sich eine sogenannte Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) bewährt. Dabei wird dem Tier zu Beginn eine ganz geringe Menge des Allergens injiziert und die Konzentration in bestimmten Abständen immer weiter erhöht, sodass sich der Körper in gewisser Weise an das Allergen gewöhnt. Ziel dieser Variante ist es, dem Körper zu signalisieren, dass das Allergen zum natürlichen Umfeld gehört und keine Gefahr darstellt, auf die so heftig reagiert werden muss. Die Erfolgsquote solcher Therapien liegt derzeit bei etwa 70 %.

Was mach ich, wenn mein Tier gegen bestimmte Futtermittel allergisch ist?!?

Häufig liegen Kombinationen mit Allergien gegen Pollen oder Milben vor. Daher ist es besonders wichtig, alle Allergene die bei meinem Hund Probleme verursachen, herauszufinden. Zumal die Symptomatik in beiden Fällen ähnlich aussehen kann.
Liegt der Verdacht nahe, dass eine Futtermittelallergie besteht, gibt es nur einen einzigen Weg, diese Allergie zuverlässig nachzuweisen:
Dem betroffenen Tier wird über 8 Wochen nur eine einzige Protein- und Kohlehydratquelle zur Aufnahme zur Verfügung gestellt, die vollkommen neu ist und damit nicht allergieauslösend wirken kann. In der Praxis heißt das, man füttert 8 Wochen lang z. B. ausschließlich Kaninchenfleisch und Reis (also auch keine anderen Leckerlies; und darauf achten, dass das Tier auch draußen nichts aufnimmt!). Sind sämtliche Symptome nach 8 Wochen verschwunden, liegt eine Futtermittelallergie vor.
Oftmals reagieren Tiere auf handelsübliche Futtermittelbestandteile, die in den meisten Fertigfuttermischungen enthalten sind, wie z. B. Getreide. Daher ist es bei Vorliegen einer Futtermittelallergie ratsam, von „normalem“ Futter Abstand zu nehmen und auf ein Futter umzusteigen, das speziell für Allergiker geeignet ist (hypoallergenes Futter) oder aber auf ein solches umzusteigen, in dem ausschließlich eine Protein- und Kohlehydratquelle enthalten ist. Solche Futtersorten werden heute schon von ganz vielen Herstellern angeboten.

Zusammenfassend:   man sollte  also zunächst sämtliche potenziellen Ursachen ausschließen und erst danach mit seinem fachkundigen Tierarzt eine weitere Diagnostik besprechen. Diese sollte systematisch und Schritt für Schritt erfolgen, um seinem Tier möglich schnell und effizient zu einem allergiefreien Leben verhelfen zu können.

<style=”text-align: justify;”>Copyright © Dominik Müller

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